Bürgermeisterwahl Bad Windsheim 2026
„Wo mache ich am 8. März mein Kreuzchen hin?“ Das fragen sich derzeit noch sicherlich viele Bürgerinnen und Bürger, die bei der Kommunalwahl einen Bürgermeister für Bad Windsheim wählen sollen. Drei Kandidaten sind im Rennen um das höchste politische Amt, das in der Stadt zu vergeben ist: Amtsinhaber Jürgen Heckel (WiR) und seine Herausforderer Philipp Flierl (parteilos, unterstützt von CSU, Liste Land und FWG) und Michael Lappler (Bündnis 90/Die Grünen).
Der Seniorenrat Bad Windsheim e.V. geht davon aus, dass sich alle Kandidaten Gedanken um das Wohlergehen auch der älteren Mitbürger machen. Deshalb wurden sie gebeten, fünf Fragen zu beantworten, um auf dies Weise den Seniorinnen und Senioren die Wahlentscheidung zu erleichtern. Philipp Flierl und Michael Lappler haben reagiert und ihre Positionen klar gelegt, Jürgen Heckel nicht.
Hier die Stellungnahmen der Kandidaten:
1. Welche konkreten Pläne haben Sie, um die Lebensqualität älterer Menschen in unserer Kommune zu verbessern? (Beispiel: Einrichtung einer Stadtbus-Linie)
Philipp Flierl: Wichtig ist es - grundsätzlich für alle BürgerInnen, aber besonders für die älteren Menschen - den Gesundheitsstandort Bad Windsheim und die ärztliche Versorgung langfristig zu sichern.
Die Idee eines Stadtbus-Systems finde ich grundsätzlich gut. Hier gilt es die Fördermöglichkeiten, Fundraising und Finanzierbarkeit zu prüfen. Ich kann mir vorstellen, dass sich im Zusammenhang mit der LGS Synergieeffekte schaffen lassen, um diese Idee voranzubringen. Im Rahmen des Programms „demografiefeste Kommune“ wurde der Punkt in den letzten Jahren immer wieder erörtert. Das NEA-Mobil sehe ich dort als einen wichtigen Baustein, den es gilt, bekannter zu machen. Zusätzlich könnte die Etablierung eines Bürgerbusses geprüft werden.
Darüber hinaus finde ich das Konzept der „Sorgenden Gemeinschaft“ (Caring Communities) sehr spannend. Hier geht es darum lokale Netzwerke zu bauen bzw. zu stärken, die sich um das Wohl der Menschen in ihrem Umfeld kümmern.
Michael Lappler: Mobilität ist Freiheit – besonders im Alter.
Ganz konkret möchte ich den Zugang zu Gleis 2 Richtung Steinach/ Rothenburg verbessern. Eine Buslinie und damit der Ausbau des Nahverkehrs ist ein wichtiges Thema für die Grünen. Hier denke ich auch an eine Einbindung der Ortsteile. Eine Umsetzung über das derzeit bestehende Angebot des NEA-Mobils hinaus kostet Geld - hier prüfen wir Fördermöglichkeiten des Freistaats (z. B. über das Programm „Bayern mobil“). Auch die Fußgängerfreundlichkeit möchte ich verbessern: durch die Erweiterung der barrierefreien und auch mit Gehhilfen gut begehbaren Wege wie sie im vergangenen Jahr in der Innenstadt fertiggestellt wurden.
Wohnen im Alter: Hier setzen wir uns für den verstärkten Bau von altersgerechten Wohnungen und die Möglichkeit des Wohnungstauschs ein. Eine kommunale Wohnberatungsstelle könnte ältere Menschen bei Umbauten unterstützen (z. B. bodengleiche Duschen, Treppenlifte). Hier arbeiten wir mit der Landesberatungsstelle Barrierefreiheit zusammen.
Jürgen Heckel:
Wir müssen die Rolle des
Seniorenrats ausbauen und ihn organisatorisch in die kommunale
Mitverantwortung, ggf. mit einem Referat, einbinden. Sie sollen ein Rede- und
Beratungsrecht auch im Stadtrat haben, wenn es um Themen der
Senioreneinrichtungen und die Unterstützung von Senioren im Alltag geht. Die
Lebensqualität unserer Seniorinnen und Senioren zu verbessern ist für mich
keine Wahlkampffloskel, sondern seit Jahren Teil meiner täglichen Arbeit. Die
Bürgerinnen und Bürger kennen mich – ich verspreche nichts, was am Ende nicht
umsetzbar ist. Mobilität ist ein zentraler Baustein für Selbständigkeit und
soziale Teilhabe. Ein klassischer Stadtbus ist nach aktueller Haushaltslage
jedoch nicht finanzierbar. Das gehört zur Ehrlichkeit dazu. Gleichwohl werde
ich weiterhin nach tragfähigen, realistischen Lösungen suchen, zum Beispiel
bedarfsgerechte oder flexible Modelle eventuell mit Kooperationspartner:
Lebensqualität entsteht nicht durch große Ankündigungen, sondern durch
verlässliche Politik mit Augenmass. Genau dafür stehe ich.
2. Wie möchten Sie die Angebote für Seniorinnen und Senioren in den Bereichen Freizeit, Bildung und soziale Teilhabe ausbauen? (Beispiel: Förderung der Nutzergemeinschaft H1)
Philipp Flierl: Der Seniorenrat stellt schon einiges für die SeniorInnen auf die Beine. Sie wissen, welche Bedarfe es gibt und wo Unterstützung nötig ist. Es gilt die bestehenden Angebote und das ehrenamtliche Engagement zu stärken und gemeinsam an einer Weiterentwicklung zu arbeiten. Ich würde mich freuen, wenn wir uns z.B. gemeinsam über das Konzept der „Sorgenden Gemeinschaft“ austauschen und hier weitere Akteure ins Boot holen (z.B. die Kirchen und Wohlfahrtsverbände). Vielleicht könnte das ein Konzept für unsere Stadt sein.
Michael Lappler: Freizeit und Kultur: In diesem Bereich kann ich mir folgenden Initiativen vorstellen:- „Lese-Omas/Lese-Opas“ in Schulen oder Kitas.
• Gemeinschaftsgärten, in denen Senior:innen ihr Wissen weitergeben (z. B. Kräuterkunde, Handwerk). Die von mir angestrebte Umgestaltung des Wallgrabens in einen innenstadtnahen Begegnungsraum mit Möglichkeiten für Urban Gardening lässt dies zu.
• „Erfahrungswissen-Börse“: Eine Plattform, auf der Senior:innen ihr Wissen anbieten können (z. B. Handwerk, Gartenbau) – und im Gegenzug Unterstützung erhalten.
• Digitale Teilhabe: Tablet-Kurse in Kooperation mit der VHS, um Videotelefonie oder Online-Banking zu lernen. Gerne setze ich mich mit der VHS in Kontakt um über eine Zusammenarbeit das Bildungsangebot speziell für Seniorinnen und Senioren zu diskutieren und dies nach Möglichkeit auszubauen.
Jürgen Heckel:
Eigenbeteiligung und Mitwirkung im Alter, muss
in Würde ohne Diskriminierung gewährleistet werden. Die soziale Teilnahme am
gesellschaftlichen Leben wird bereits durch verschiedene Projekte angestrebt.
Dennoch wurden viele Senioren von der Medienbildung in den letzten Jahren
abgeschnitten, sei es aus finanziellen oder technischen Gründen. Wir müssen
deshalb, auch den Seniorenheimen und Treffpunkten notwendige, niederschwellige
technische Einrichtungen zur Verfügung stellen, damit die Senioren durch
Schulungen mit den Medien vertraut gemacht werden. Zudem möchte ich die
Angebote in den Bereichen Freizeit, Bildung und soziale Teilhabe weiter
entwickeln und stärker miteinander vernetzten. Das in dieser Periode ins Leben
gerufne Haus der Begegnung (H1) möchte ich als Treffpunkt sowie für kulturelle
Veranstaltungen nach dem Ausbau gezielt stärken. Es gilt neue Formate zu
fördern zum Beispiel Seniorennachmittage im Kurpark, zum Beispiel im grünen
Klassenzimmer oder Rosengarten, Angebote von Bewegung mit anschließendem
Kaffeetrinken, ins Leben zu rufen. Hier sind Kooperationen zum Beispiel mit dem
Freundeskreis der Landesgartenschau möglich.
Philipp Flierl: Ich möchte wohnortnahe Begegnungsangebote stärken, regelmäßige Besuchs‑ und Begleitdienste unterstützen und neue Treffpunkte schaffen, die leicht erreichbar sind. Außerdem möchte ich digitale Teilhabe fördern, damit ältere Menschen auch online in Kontakt bleiben können. Entscheidend ist für mich, Angebote gemeinsam mit Seniorinnen und Senioren zu entwickeln, damit sie wirklich zu ihrem Alltag passen und niemand allein bleibt. Für mich ist das Stichwort „Mehrgenerationenarbeit“ ausschlaggebend. Wir müssen mehr Jung und Alt zusammen bringen, um voneinander zu lernen.
Michael Lappler: Einsamkeit ist ein stilles Leiden – aber wir können etwas dagegen tun.
• Leihgroßeltern-Projekt: Wie in Neustadt/Aisch wollen wir ein „Leihgroßeltern“-Programm
aufbauen, bei dem Seniorinnen und Senioren ehrenamtlich Kinder betreuen oder Familien
unterstützen können. Das schafft generationenübergreifende Kontakte und stärkt den
Zusammenhalt in der Gesellschaft.
• Ehrenamt stärken: Wir wollen mehr Anerkennung für Ehrenamtliche – z. B. durch Fortbildungen und öffentliche Wertschätzung.
Jürgen Heckel:
Die Vereinsamung und die
soziale Isolation entstehen im Verborgenen. Hier können wir mit der
Kontaktpflege zu den Pflegdiensten, Heimbeiräten, Einrichtungen und Trägern der
Altenhilfe usw., Defizite identifizieren und Hilfestellungen entwickeln, sei es
durch Nachbarschaftshilfe oder Besuchsdienste. Mein Ziel ist eine Stadt, die
soziale Nähe ermöglicht – verlässlich, solidarisch und mit einem wachen Blick
füreinander. Auch hier ist es von großer Wichtigkeit eine Vernetzung
anzustreben, quartiersbezogene Strukturen zu stärken und
generationsübergreifende Projekte zu fördern.
4. Wie wollen Sie die Zusammenarbeit mit Seniorenvertretungen und Organisationen wie dem Landesseniorenrat stärken? (Beispiel: Umsetzung des Seniorenmitwirkungsgesetzes)
Philipp Flierl: Ich möchte die Zusammenarbeit mit Seniorenvertretungen und Organisationen stärken, indem ich sie frühzeitig in Entscheidungen einbeziehe, regelmäßige Austauschformate etabliere und ihre Expertise konsequent in die Stadtpolitik einfließen lasse. So werden Anliegen älterer Menschen besser gehört und gemeinsam umgesetzt.
An dieser Stelle möchte ich das große Engagement des Seniorenrats hervorheben und Ihnen meine Anerkennung dafür aussprechen, dass Sie das Miteinander genau so vorleben!
Michael Lappler: Sie sind unsere Expert:innen – wir brauchen Ihren Rat!
• Regelmäßiger Austausch: Ich schlage vor, vierteljährliche Treffen zwischen Stadtrat und
Seniorenrat zu etablieren, um aktuelle Themen zu besprechen.
• Umsetzung des Seniorenmitwirkungsgesetzes: Wir setzen uns dafür ein, dass der Seniorenrat frühzeitig in Planungsprozesse einbezogen wird – z. B. bei Bauprojekten oder der Gestaltung von Freizeitangeboten.
• Gemeinsame Projekte: Ob Mobilitätskonzepte oder Wohnprojekte – wir wollen partizipativ arbeiten. Ihre Ideen sind wichtig!
Jürgen Heckel:
Durch die organisatorische
Einbindung des Seniorenrats in den Stadtrat entsteht ein Forum, in dem wir eine
Transparenz über alle notwendigen Handlungsfelder erhalten und können dann die
notwendigen Maßnahmen einleiten. Zudem werde ich die Zusammenarbeit mit den
Seniorenvertretungen und dem Landesseniorenrat verbindlich stärken und
dauerhaft strukturieren, Mir ist persönlich wichtig, dass ältere Menschen
frühzeitig und wirksam an kommunalen Entscheidungen beteiligt werden. Das
Seniorenmitwirkungsgesetz werde ich, falls dies gewünscht wird, konsequent
durch transparente Verfahren umsetzen, Mein Ziel ist eine ernst gemeinte Mitwirkung
auf Augenhöhe – für eine lebenswerte und generationsgerechte Stadt mit
Ortsteilen.
5. Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um barrierefreie und altersgerechte Infrastruktur in unserer Kommune zu fördern?
Philipp Flierl: In den letzten Jahren ist hier schon vieles ausgebaut worden. Hier gilt: weiter so, Schritt für Schritt für die Barrierefreiheit im öffentlichen Raum, insbesondere in Zusammenarbeit mit dem Behindertenbeauftragten der Stadt Bad Windsheim.
Michael Lappler: Eine Stadt für alle – das ist unser Ziel.
• Durchgrünungskonzept: Das von der Stadt in Auftrag gegebene Konzept bietet viele Chancen – z. B. für barrierefreie Wege, mehr Grünflächen und Sitzgelegenheiten. Ich werde mich dafür einsetzen, dass diese Pläne umgesetzt werden.
• Insofern sich bei der Gestaltung der LGS Möglichkeiten zur Verbesserung der Barrierefreiheit ergeben, werde ich mich für die Umsetzung im Rahmen der planerischen und finanziellen Möglichkeiten einsetzen.
• Der sinnvolle und bedarfsorientierte Ausbau zur barrierefreien Stadt kann nicht durch zentrale Planung erbracht werden, sondern bedarf der engen Zusammenarbeit mit den betroffenen Gruppen der Stadtgesellschaft. Deshalb wollen wir Workshops mit Seniorinnen und Senioren, Menschen mit Behinderungen und Familien durchführen.
Jürgen Heckel:
Mit der barrierenfreien und
altersgerechten Infrastruktur haben wir bereits in dieser Periode in der
Innenstadt – Kegetstraße/Krämergasse der so genannten „Rollatorspur“ begonnen.
Die Planung sieht vor, dass diese Maßnahmen fortgesetzt werden. Der
barrierefreie Zugang zu Geschäften, Wohnhäusern und öffentlichen Einrichtungen
muss auch zukünftig gefördert und bei allen Baumaßnahmen berücksichtigt werden.
Dies gilt auch für das Gelände und die Einrichtungen der Landesgartenschau. So
werden die Wege in unserem Juwel, dem Kurpark für Millionen saniert. Ich darf
mit Fug und Recht behaupten, dass noch nie soviel für eine barrierearme und
altersgerechteInfrastruktur getan wurde, wie in den vergangen 6 Jahren.
.
.